Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen

Heute geht es um eine kulinarische Städtetour durch den Stuttgarter Westen: Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen.
Ich lebe ja bereits seit 2004 in Stuttgart. Davon knapp sieben Jahre in Bad Cannstatt und seit 2011 hat es mich zurück auf’s Land gezogen, nahe bei Stuttgart.
Meine Arbeit ist aber nach wie vor im Stuttgarter Westen.
Als ich gesehen habe, dass es eine kulinarische Stadtführung durch den Stuttgarter Westen gab, die von Eat the world angeboten wurde, war ich gleich Feuer und Flamme.
Die Touren von Eat the world kenne ich bereits aus anderen Städten und mag sie sehr gerne.
Ich hab kurz überlegt und mich gefragt, ob diese Tour für mich nach so langer Zeit in Stuttgart das Ganze noch interessant ist?
Also habe ich mich angemeldet 🙂 Hier gibt’s die Stuttgarter Touren.

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen

Auf ein Wort zu Stuttgart

Stuttgart ist wie kaum eine andere deutsche Großstadt durch seine Topografie geprägt wie die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart, mit ihren rund 600.000 Einwohnern

Sie ist umgeben von bis zu 550 Meter hohen Hängen, die sich fast über die ganze Innenstadt in einem malerischen Talkessel ausbreiten.
Stuttgart ist die politische Schaltzentrale, aber auch ein ziemlich bedeutender Wirtschafts- und Kulturstandort, die viele Gäste anlockt.
Seit dem 14. Jahrhundert hat sich das Adelsgeschlecht von Württemberg in der Residenzstadt heimisch gefühlt und angesiedelt.
Weltkonzerne wie Bosch, Daimler und Porsche tragen mit ihren technischen Erfindungen den Namen Stuttgart in alle Welt. Eine Stadt mit vielen großen Unternehmen, aber auch geprägt durch die Klein- und Mittelständischen zum Teil Familienunternehmen, die mit dem Slogen wirbt „Wir könned elles außer Hochdeutsch“.

Die Tour durch den Stuttgarter Westen begann an der Johanneskirche am Feuersee mit rund 15 Personen. Vom Alter her gesehen war die Gruppe sehr gemischt.
Nach ein paar kultur-historischen Informationen zur Johanneskirche und den drum herum liegenden bekannten Unternehmen, ging es auch schon los zur ersten kulinarischen Anlaufstelle.

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen… es geht los…

…und weil es für die zukünftigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch eine Überraschung sein soll, erzähle ich von nur drei besuchten Lokalitäten 🙂

 

Feinkost Panzer

Der Laden wurde in den 1980er Jahren von der Mutter der jetzigen Besitzerin Silvia Panzer übernommen. Bis dahin gab es im Stuttgarter Westen noch rund 60 weitere Lebensmittelläden, die sich in schwäbischer Hand befanden.
Feinkost Panzer ist eine kleine Fundgrube… neben frischem Obst und Gemüse aus der Region gibt es unglaublich viele Kleinigkeiten, Wein, Spirituosen, Leckereien wie Pralinen, aber auch eine Frischetheke mit Wurst- und Käsespezialitäten, selbstgemachten Marmeladen.
Als Gin-Liebhaberin habe ich natürlich ein besonderes Augenmerk auf die „Gin-Ecke“ geworfen, die wirklich sehr vielfältig ist.

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen
Feinkost Panzer bietet immer mal wieder auch Gin-Verkostungen nach Feierabend als After-Work-Veranstaltung an. Vielleicht muss ich da mal hin oder was meinst Du? Die Termine zu diesen Verkostungen werden regelmäßig über Facebook publiziert.
Ein besonderer Service den Feinkost Panzer bietet ist der kostenlose nach Hause Transport der Einkäufe… Hier ist man kein gewöhnlicher Kunde, sondern wird als Persönlichkeit empfangen… Toller Laden 🙂

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen

Nach einer kleinen, heißen Stärkung, einer wirklich sehr leckeren Kürbissuppe ging es weiter ins Schüttgut, in der Vogelsangstraße.

Schüttgut

Das Schüttgut ist eine ganz besondere Adresse in Stuttgart: Plastiktüten wirst Du hier ganz sicher nicht finden. Das Schüttgut, mit dem sich sein Inhaber Jens-Peter Wedlich einen Traum verwirklichte, ist Stuttgarts erster Unverpackt-Laden. Wie zu Omas Zeiten werden hier Waren direkt aus einer (modernen) Schütte in Bioqualität verkauft.

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen
Ich war total überrascht, was es neben regionalen Natursäften, Molkereiprodukten, Backwaren alles gibt. Der Laden bietet nämlich auch Drogerieartikel, wie Seifen, Shampoo, Waschmittel und sogar Holzzahnbürsten an und das alles verpackungsfrei und aus nachhaltiger, größtenteils regionaler Produktion! Ein Pluspunkt ist hier, dann man die Möglichkeit hat, nur so viel einzukaufen, wie man auch wirklich braucht. Gerne gesehen und ich finde es auch am besten, Du bringst hier Deine eigenen Verpackungen direkt mit und vermeidet genau so Verpackungsmüll und Lebensmittelverschwendung. Das Schöne hier, ein kleines Café bietet auch hier Zeit für einen Schwatz… ich finde, dass das Ganze durchaus eine staressfreie Alternative zum Großeinkauf im Supermarkt ist und das Schüttgut ist für Stuttgart eine echte  Bereicherung!

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen

Da es ja hier nicht ganz einfach ist das ein oder andere „Korn“ zu probieren, gab es für jeden für uns eine kleine Dose mit schokolierten Kürbiskernen… sooo lecker 🙂

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen
Fast nebenan liegt der Traum eines jeden Gernebäckers und auch für mich, einer Hobbypatissier. Die Patisserie Tarte & Törtchen.

Patisserie Tarte & Törtchen

Aline John ist gelernte Patissière und hat das Tarte & Törtchen bereits 2012 im Stuttgarter Westen in der der Gutbrotstraße eröffnet.
Zunächst gab es „nur“ einen Showroom in dem die wunderschönen und super leckeren Naschereien von Aline fleißig bestellt und geordert werden konnte.

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter WestenMittlerweile hat das Tarte & Törtchen aber auch ein Café in dem man all die Neckereien bei einer leckeren Tasse Kaffee probieren und verweilen kann.
Auch kannst Du hier frühstücken… für einen Preis, der bei der Qualität mehr als in Ordnung ist… innerlich notiert „Nächstes Frühstück mit meiner Freundin im Tarte & Törtchen“.
Für die Köstlichkeiten verwendet Aline biologische bzw. Fair gehandelte Rohstoffe…

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen
Ich bin tief beeindruckt und vereinbare mit mir eine wöchentliche Wiedervorlage zum „dringend einmal wöchentlich ein anderes Törtchen probieren“… oder vielleicht doch lieber zweimal 😉
Die Trennung von diesem wunderschönen Laden fällt allen Gruppenmitgliedern sichtlich schwer… aber unser Tourguide scharrt bereits mit den Hufen und es geht weiter.

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen

Etwas zur Stuttgarter Geschichte

Auf dem Weg zu Laden Nummer sechs laufen wir vorbei am Rossbollegässle und es gibt noch ein bisschen was Geschichtliches auf die Ohren.
Ganz kurz noch: „Stuagarder Rossbolla“ sind mittlerweile auch eine kulinarische Spezialität. Eine schwäbische Konfiserie hat die Pralinen die an die vielen Pferdeäpfel, die früher in Stuttgart allenthalben herumlagen, erinnern. Natürlich nur im Aussehen, nicht im Geschmack 🙂
Die „Stuagerder Roßbolla“ sind geschmacklich relativ süß, schokoladig und auch nussig, was bei einer Nougat Praline auch gar nicht so schwierig ist, mit einem Hauch Bourbon-Vanille.

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen

Die Bauweise der Stuttgarter Herrenhäuser ist eine ganz besondere. So gibt es zwischen den Häusern den sogenannten „Bauwich“, der exakt gleich ist zwischen den Häusern.
Er misst zehn Fuss breit auf der einen Seite und auf der anderen Haushälfte eine Kutsche breit.

Zwei Gründe gibt es dafür: Nummer eins ist der Feuerschutz, Nummer zwei und vielleicht drei bringen mich zum Schmunzeln: Der Schwabe läuft gern um „sein“ Haus herum und so haben viele Stadthäuser diesen zehn Fuss breiten Weg um das Häusle, dafür gibt’s aber keinen Vorgarten.
Denn wir sind dann auch bei meinem Lieblingsthema: „Die schwäbische Kehrwoche“.

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen

Des Schwaben Herz glüht für die schwäbische Kehrwoche 🙂

Die schwäbische Kehrwoche ist in Deutschland so bekannt wie sonst wohl nur Lederhose, Bier und Sauerkraut. Die Schwaben werden hierfür oftmals von den übrigen Regionen in Deutschland etwas belächelt, ist die Kehrwoche doch hier im Ländle noch heute ein bierernstes Thema. Die Grundlage dafür wurde vor über 300 Jahren geliefert.

Wer hat’s erfunden?

1714 erließ der Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg für die Stuttgarter eine 30 Punkte umfassende „Gassensäuberungs-Ordnung“ und legte somit den Grundstein für die schwäbische Kehrwoche.
Diese beinhalteten hauptsächlich die wöchentliche Abfuhr des Mists und der Abtransport von „Unrath“, vor allem von Fäkalien.
Die Ableitung von Fäkalien direkt auf die Straße war zu dieser Zeit schon nicht mehr erlaubt. Bürger mussten, sofern keine (Fäkal-)Grube vorhanden war, ihre Fäkalien jede Nacht im Nesenbach entsorgen, der auch dazu diente, Schlachtabfälle und anderen Abfall zu entsorgen.
Ziel dieser Verordnung war vor allem, die Gesundheitsgefährdung durch Seuchen wie Typhus und Cholera und die Geruchsbelästigung zu verringern.

Im Jahre 1740 wurde die „Gassensäuberungs-Ordnung“ aktualisiert. Von nun an mussten die Bewohner zweimal pro Woche, ohne Unterschied des Standes, die Straßen kehren.

Auch legte die Straßen-Polizei-Ordnung von 1811 fest, dass „niemand von der Verbindlichkeit, vor seinem Haus kehren zu lassen“ ausgenommen sei. Verpflichtet wurde hier der Hauseigentümer „so oft es gefordert ist, vor seinem Haus die Reinigung vorzunehmen.“

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen... ein Bericht
Photo by Jessica Furtney on Unsplash

Die historischen Wurzeln

So sahen Mietvertrag z.B. aus dem Jahr 1880 vor, dass das Reinigen der Treppe im wöchentlichen Wechsel sowie das Putzen der Knöpfe am Glockenzug erfolgen soll.
Als ein weiterer Urvater der schwäbischen Kehrwoche wird immer wieder zitiert auch Graf Eberhard im Bart benannt. Er befiehl 1492 im Stuttgarter Stadtrecht: „Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Woche hinausführen, sonst darf der Spital ihn für sich holen lassen, jeder seinen Winkel alle vierzehn Tage, doch nur bei Nacht sauber ausräumen.“

Und es geht weiter…

Aber Du glaubst es nicht, in vielen Häusern hier im Ländle baumeln nach wie vor noch alte Kehrwochenschilder die in liebevoller Kleinstarbeit zu kleinen Kunstwerken mit vielen Regeln zusammengestellt wurden und Woche für Woche eine Etage weiter an die Tür des damit nun Verantwortlichen gehängt werden. In Bad Cannstatt hatte ich auch ein solches Unikum und eigentlich wollte ich es noch fotografieren bevor ich von dannen ziehe, aber ich habe es bei dem ganzen Umzugasstress einfach vergessen :-/

Auch wenn die Schilder ziemlich „putzig“ sind (im wahrsten Sinne des Wortes), ist das Thema schon ziemlich ernst, was auch unzählige Gerichtsverfahren und blutige Nasen verdeutlichen.

Und so geht’s

Die Kehrwoche erfolgt traditionell im wöchentlichen Wechsel und findet am Samstagnachmittag zur Vorbereitung des Sonntags statt.

…und dann wurde sie einfach abgeschafft

Am 17. Dezember 1988 wurde die Kehrwoche als Teil der kommunalen Ordnung mit der Auflage, „mindestens einmal wöchentlich“ (Paragraph 4) zu fegen, abgeschafft.
Aber nicht ganz, es gab eine neue Verordnung, die nur noch verlangt, dass die Gehwege gereinigt werden, wenn sie verschmutzt sind, also die dem Ermessen unterliegende Reinigung „bei Bedarf“.

Und Du kannst Dir vorstellen, was es hier für einen Aufstand gab… Sodom und Gomorra wurde vorausgesagt… aber wie Du siehst, Stuttgart steht noch, ist also gar nicht so schlimm 🙂

Alles nur ein Scherz?

Ein wirklich witziger Aprilscherz hatte sich die VHS Stuttgart ausgedacht. Sie bot mit Beginn 1. April einen Workshop an der seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern beibringen wollte, wie die schwäbische Kehrwoche funktioniert „Schwäbische Kehrwoche Kompaktkurs“.
Das Angebot wurde tatsächlich ernst genommen und so kam es, dass es über 100 ernstzunehmende Anmeldungen zu diesem Kurs gab J, was die VHS dann tatsächlich auch in einem Kurs umsetzte. Hier wurde neben geschichtlichem gezeigt wie der richtige Kehrschwung funktioniert und die Borstenbeständigkeit des Besens sein sollte. Der Abschluss des Kurses wurde mit einem Zertifikat belohnt 🙂

Mein Fazit für die schwäbische Kehrwoche

Als „Neigschmeggde“ sehe ich nicht immer die Notwendigkeit einer wöchentlichen Kehrwoche… aber eins ist klar, wenn das Schild an Deiner Tür hängt dann machschd Du se, laut, sehr nass und mit stark riechendem Putzmittel… es muss jeder im Haus hören, sehen und riechen das geputzt ist 🙂

Sooo, nun gab es einige Infos, mehr wird nicht verraten…

Eat the World: Mein Fazit

Selbst als Insider ist man hier an der richtigen Adresse… Stuttgart ist groß und es gibt immer wieder neue bzw. alt eingesessene Läden, die nicht bekannt sind.
Und wow, drei Stunden vergingen wie im Flug…
Diese Tour kann ich uneingeschränkt empfehlen und ich habe mir schon notiert, die Tour durch den Süden und den Osten mitzumachen 🙂
Uuund ich finde, das ist ein ganz tolles Weihnachtsgeschenk und die gibt’s genau hier zu ordern…

Eat the world oder so schmeckt der Stuttgarter Westen
Eat the World gibt es mittlerweile in über 30 Städten. Schau Dich um und mach anderen eine Freude… ich hatte echt viel Spaß, die Gruppe war großartig und der Guide auch.
Hier findest Du alle wichtigen Infos.

Ach, und wenn wir schon mal beim Thema Genuss und Kulinarik sind, hab ich letzte Woche noch einen Bericht zur YouDinner in Stuttgart geschrieben.
Ich finde, Stuttgart bietet immer mehr solcher tollen Veranstaltungen… lest doch mal rein und vielleicht ist auch das ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk 🙂

Vielen Dank auch an die Gruppe, für die Geduld, denn wenn eine Foodbloggerin auf so einer Tour dabei ist, gibt es viel zu fragen und zu fotografieren… Ihr wart super :-*
Ich hoffe, der kleine Bericht entschädigt Euch ein bisschen dafür 🙂

Sooo, that’s my two Cent zur Eat the world City Tour Stuttgart West…

Lass es Dir gut gehen und vergess das Genießen nicht und vor allem, lass Dich nicht stressen…

Wir lesen uns morgen wieder…

Deine Julia

2 Comments

  1. Hallo Julia 🙂
    Gemeinsam mit meinem Mann war ich bei derselben Eat-the-World-Tour mit dabei. Vielen lieben Dank für den tollen Bericht und die klasse Bilder. So haben auch wir eine bleibende Erinnerung an die schöne Tour durch den Stuttgarter Westen! 🙂
    Liebe Grüße von Judith und Alex

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