Hutzelbrot: Ein Laible für die schwäbische Seele vor allem in der Weihnachtszeit

Schwäbisches Hutzelbrot, dass auch Schnitzbrot –wecken, Kletzenbrot oder schlicht Früchtebrot genannt wird, ist gerade hier im süddeutschen Raum ein sehr beliebtes Weihnachtsbrödle. Den Namen hat das Brot von einer der enthaltenen getrockneten Birnen, die hier auch Hutzeln genannt werden.

Als Hutzelwiib(le) bezeichnet man im Alemannischen eine alte, runzlige, abgeschaffte, mürrische Frau, die viel durchgemacht hat.

Schwäbisches Hutzelbrot

Aber was sind Hutzeln genau?

Das sind genau genommen getrocknete Früchte einer alten Birnensorte, der Hutzelbirne. Der Begriff “hutzelig” bedeutet hier aber auch, “runzelig” und das passt bestens auf das Aussehen der getrockneten Birnen.
Da Hutzelbirnen eher hart und herb im Geschmack sind, können nicht gleich nach der Ernte gegessen werden. Durch das Trocken werden sie nicht nur haltbar, sondern auch süß.
In das ziemlich leckere Hutzelbrot kommen außer Hutzeln noch viele andere Trockenfrüchte wie Aprikosen, Feigen, Datteln, Nüsse dürfen auch nicht fehlen, Gewürze, Schnaps sowie Rübensirup und ein wenig Mehl.
Harte Diskussionen gibt es immer bei der Auswahl der Trockenfrüchte und der Nüsse… hier streiten sich die Gemüter um DAS Rezept. Puristen verwenden kein Zitronat oder Orangeat, sie verwenden ausschließlich einheimische Zutaten. Aber so ziemlich jede Familie hat ihr eigenes Original Hutzelbrotrezept, dass sie von Generation zu Generation weitergeben.

chwäbisches Hutzelbrot

Hutzelbrot: Seine Geschichte

Eigentlich war Hutzelbrot ein bäuerliches Festtagsgebäck und war eigentlich nichts anderes als ein herkömmliches Brot, das die Bäuerin des Hauses für die festliche Weihnachtszeit mit dem verfeinert hat, was ihre bäuerliche Speisekammer so hergab: Getrocknete Birnen, getrocknete Zwetschgen, Honig und Nüsse. Über die Jahre kamen immer mehr Zutaten wie getrocknete Feigen und Mandeln dazu; auch Zitronat und Gewürze sowie Kirschwasser sind beliebte Zutaten für das Hutzelbrot.

Und wenn dann endlich der Weihnachtsabend gekommen war, haben die Bauern das Hutzelbrot mit ganz frisch gestoßener Butter bestrichen. Selbst die Kühe im Stall durften von dieser Köstlichkeit probieren, damit sie im darauf folgenden Jahr viel Milch gaben und fleißig Kälber gebaren. Und auch der Haus- und Hofhund bekam für seinen treuen Dienst ein Stückchen davon ab 🙂

Schwäbisches Hutzelbrot

Erst zu Weihnachten durfte es gegessen werden…

Das Hutzelbrot durfte je nach Region frühestens an Heiligabend bzw. am Stephanstag, dem 26. Dezember angeschnitten werden und bis zum Dreikönigstag am 6. Januar musste das süße Brot aufgegessen sein.
Bei der Zubereitung des Hutzelbrotes gaben sich die Bäuerinnen immer besonders viel Mühe, denn wenn es misslang, bedeutete das Unglück.

Schwäbisches Hutzelbrot

Hutzelbrot: Das Orakel der Liebe…

Aber das Hutzelbrot war nicht nur lecker und diente den Bauern als süße Speise zur Weihnachtszeit, das Endstücke des Hutzelbrotes schenkten die Mädchen ihrem Liebhaber. Eine glatte Schnittfläche bedeutete ein positives Liebesorakel 🙂 glatt, weil der Teig gut geknetet war. Bekamen die Liebhaber ein Stück mit einer rauen Anschnittfläche, so signalisierte das Mädchen das Ende der Beziehung. Und wenn sie dann noch ein Stück Draht eingebacken hat, unterstrich sie damit ihre Absicht.
Liebe geht eben doch durch den Magen 🙂

Grundsätzlich durfte das Mädchen das Scherzel niemals selbst essen, es sei denn, es hatte den innigen Wunsch Zwillinge zu bekommen.

Schwäbisches Hutzelbrot

Auch bekannte Persönlichkeiten liebten das Hutzelbrot…

Eduard Mörike (1804-1875) widmete den Hutzeln ein ganzes Geschichte und schreib das “Stuttgarter Hutzelmännchen”
„… Das Hutzelmännchen also gibt dem Schustergesell Seppe, seines Meisters müde geworden, für seine Reise zwei Paare Glücksschuhe und einen besonderen Laib Hutzelbrot mit. Damit jener auf seinem Fußweg von Stuttgart über die Alb nach Ulm – und noch weiter – gut gerüstet sei …“

Alte Früchte in neuem Gewand – Hutzelbrot nicht nur zur Weihnachtszeit

Dieses wirklich leckere Brot ist aber mittlerweile nicht nur in der Weihnachtszeit beliebt, sondern wird ab Herbst in vielen guten Restaurants zu Käse vor allem zu Gorgonzola oder Roquefort. Eine ganz wunderbare Kombination wie ich finde.

Schwäbisches Hutzelbrot

Nun zum Rezept für das schwäbische Hutzelbrot

Schwäbisches Hutzelbrot
 
Zutaten
  • …ergibt ca. 6 Laible – Rezept vor Nachkochen vollständig durchlesen, es braucht Zeit
  • 200 g Dörrbirnen – als Ersatz kannst Du getrocknete Apfelringe verwenden
  • 200 g getrocknete Pflaumen
  • 250 g getrocknete Feigen
  • 200 g getrocknete Aprikosen
  • 500 g Weizenmehl (Typ 1060)
  • 20 g Hefe
  • 60 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 20 g Zimt
  • 1 TL Anis
  • 1 TL Fenchelsamen
  • 2 EL Kirschwasser
  • 500 g Rosinen
  • 120 g Haselnüsse, die Hälfte davon grob gehackt
  • 120 g gehackte Mandeln
  • 30 g Zitronat
  • 30 g Orangeat
Zubereitung
  1. So geht's
  2. Das solltest Du beachten: die Zubereitung dauert 3 Tage!

  3. Die Birnen/Äpfel über Nacht in Wasser einweichen, dabei ist wichtig, dass, dass sie komplett vom Wasser bedeckt sind. Am besten Du legst etwas Schweres auf die Birnen, damit sie unter Wasser gedrückt werden.

  4. Am nächsten Tag werden die Birnen/Äpfel im Einweichwasser ca. 15 Min aufgekocht. Anschließend gibst Du die die Pflaumen, Aprikosen und Feigen sowie die Rosinen ebenfalls dazu und lässt alles einige Stunden auskühlen.

  5. Schwäbisches Hutzelbrot

  6. Jetzt wird alles abgegossen: Gieß die Früchte in ein Sieb und fangt das Wasser auf.
  7. Dieses Wasser nennt man im Übrigen Schnitzwasser, daher kommt also der andere Name was den Früchtebroten auch den Namen Schnitzbrot gibt.

  8. Die Früchte werden dann in kleine Würfel geschnitten, genauso wie das Orangeat und das Zitronat.

  9. Schwäbisches Hutzelbrot

  10. Die Hefe wird mit dem leicht erwärmten Schnitzwasser angerührt (Vorsicht, das Wasser darf nicht über 40 Grad erhitzt werden, dann klappt das mit der Hefe nicht mehr).
  11. Dann gibst Du das Mehl in eine Schüssel, drückst eine Mulde hinein und gießt die Hefemischung dazu. Diesen Vorteig deckst Du mit einem Geschirrtuch zu und lässt ihn etwa 10 Minuten gehen.

  12. Danach werden alle restlichen Zutaten dazu gegeben und mit den Händen zu einem Teig verknetet.
  13. Hier bin ich immer hin und her gerissen: Wenn der Teig zu trocken ist, dann gibst Du noch etwas vom Schnitzwasser dazu. Der Teig sollte auf alle Fälle gut formbar sein.
  14. Ist der Teig nämlich zu weich, läuft er beim Backen auseinander, ist er zu fest, wird er nach dem Backen sehr trocken… da musst Du Dich durchprobieren.
  15. Hast Du das gemacht, bestäubst Du den Teig mit Mehl und lässt ihn an einem warmen Ort so lang gehen, bis die Mehlschicht ein paar Risse bekommt und der Teig etwas aufgegangen ist.

  16. Schwäbisches Hutzelbrot

  17. Nach der Gare, formst Du aus dem Teig etwa 6 Laibe und legst sie auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech und bedeckt sie mit einem Tuch. Jetzt darf alles nochmal über Nacht gehen. Hutzelbrot braucht eben seine Zeit.

  18. Schwäbisches Hutzelbrot

  19. Am nächsten Tag wird der Ofen auf 180 Grad Ober-Unterhitze vorgeheizt.
  20. Die Brote werden etwa 60 Minuten auf der mittleren Schiene gebacken.
  21. Wichtig: Die Brote dürfen zwar dunkel, aber nicht schwarz werden, also obacht geben 😉

  22. Schwäbisches Hutzelbrot

  23. Nach der Backzeit werden die Brote aus dem Ofen genommen und noch warm mit Schnitzwasser bestrichen. Dann dürfen die leckeren Hutezlbrote 2-3 Tage auf einem Kuchengitter auskühlen.

Sooo, das Rezept ist zwar etwas aufwändiger, aber ich sage Dir, die Mühen lohnen sich. Hutzelbrot schmeckt einfach sensationell.
Ich finde, dass Hutzelbrot ist nicht nur ein perfektes Geschenk aus der Küche und zu Weihnachten, sondern auch einfach mal lecker nur für den Nachmittagskaffee. Die Butter nicht vergessen!

Schwäbisches Hutzelbrot

Und das Wichtigste habe ich doch glatt vergessen: Ein guuds Kirschwässerle dazu gibt dem Ganzen das gewisse etwas.

Überzeug Dich doch einfach mal selbst davon.

Zum Weiterlesen gibt es heute das hier:

Jetzt gab’s wieder jede Menge Infos… ich hoffe, wir lesen uns übermorgen wieder, da gibt es das nächste Rezept…

Schwäbisches Hutzelbrot

Probieren das Rezept einfach mal aus und schreib mir wie es Dir geschmeckt hat 🙂
In den Kommentaren hast Du dazu ganz viel Platz 😉

Lass es Dir gut gehen und bis bald

Deine Julia

2 Kommentare

  1. Liebe Julia,
    du weißt, ich bin selbst ein großer Hutzles-Brot-Fan <3 Und da geht mir natürlich bei deinem wunderschönen Rezept und deinen Fotos richtig das Herz auf <3 Daher schicke ich dir aus dem hohen Norden ganz viele liebe Grüße ins heimische Schwabenländle <3
    Liebe Grüße, deine Mimi

    • Liebe Mimi, das freut mich echt, Dich hier zu sehen und begrüßen zu dürfen 😊 Danke für Deine lieben Worte… ganz viele liebe Grüße aus dem Süden in den hohen Norden 😘 Deine Julia

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